Brennende Autos in Berlin – täglicher TerrorSind die Brandanschläge Vorzeichen eines Bürgerkriegs?
Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Die Zahl der Hartz4-Bezieher nimmt zu. Welche Rolle spielen dabei die Anschläge auf Luxusautos in Berlin?
Die Abwrackprämie war zu Beginn des Jahres 2009 in aller Munde. Die Bürger sollten damit motiviert werden, ihr altes Umweltsünderauto gegen einen modernen und umweltfreundlicheren Wagen einzutauschen. 2.500 Euro bot der Staat als Zuschuss dafür. Bereits seit dem Jahr 2004 jedoch genießt die Berliner Autohändlerschaft eine ganz andere Art der Verkaufsförderung: Im Bezirk Berlin-Karow brannten die ersten BMW und ein VW-Bus; Autos, die von sogenannten Chaoten willkürlich angezündet wurden. Die Website Brennende-Autos.de gibt einen detailliert zusammengestellten Überblick des SchreckensZum 14. Februar 2009 meldet diese Website 287 Fahrzeuge, die im Rahmen der Brandserie zerstört worden sind. Betroffen davon sind zu diesem Stichtag 54 Mercedes, 31 Volkswagen, 29 BMW, 23 Opel, 32 Wagen unterschiedlicher Fabrikate und 118 Porsche; insgesamt 21 davon allein schon 2009. Die Wagen des Stuttgarter Sportwagenherstellers scheinen es den Attentätern besonders angetan zu haben. Aber auch Corvette und Jaguar sind betroffen. Die informative Website zeigt an, wo genau die Autos in Flammen aufgehenAm 9. Februar 2009 brannte beispielsweise auf der Württembergallee ein Opel Omega. Am 5. des Monats auf der Gardes-Du-Corps-Straße ein BMW. Auf der Gethsemanestraße ging am 31. Januar 2009 ein Mercedes in Flammen auf; am gleichen Tag auf der Frankfurter Allee ein BMW. Einen Tag zuvor wurden auf der Lindauer Allee und der Zehdenicker Straße jeweils ein Volvo beziehungsweise ein Porsche Cayenne angezündet. Nahezu täglich geht ein Auto in Flammen auf. Nicht nur Luxusmobile, sondern auch ältere Autos bedürftiger Bürger werden zerstört! Ein Blick auf den Stadtplan zeigt, dass die Autos vor allen Dingen in den Stadtteilen Mitte und Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg brennenDies sind Bereiche, in denen sich die Bevölkerungsstruktur nach der Wende verändert hat. Häuser wurden luxussaniert; eingesessene Bewohner von hippem Szenepublikum vertrieben. Sind die Brandanschläge auf deren Autos Racheaktionen für den Strukturwandel? Viele der sanierten Altbauten bieten schicke Wohnungen, aber keine Garagen. Selbst Luxusautos müssen daher unter der Laterne parken, wo sie ein leichtes Ziel für die Brandstifter sind. In den Bereichen Tiergarten und Charlottenburg sind auch schon Autos verbrannt, doch mehr als 40 sind es nicht. Der Schwerpunkt der Attentäter liegt eindeutig in den Szenevierteln Mitte und Prenz’lberg, denn nur ein Feuer ist in Zehlendorf bekannt; in den südlichen Stadtteilen Rudow und Marienfelde, in Köpenick oder auch Spandau sind nur wenige Autos verbrannt. Nicht auszuschließen ist, dass sich auch Trittbrettfahrer, die ihren Altwagen loswerden wollen, in die Reihen der Brände einfügen. Eine Kanne Benzin über das Auto geschüttet, das Streichholz angesteckt – diese Vorgehensweise lässt keine Rückschlüsse darauf zu, ob nun einer der Attentäter oder ein Trittbrettfahrer am vernichtenden Werk war. Doch die meisten Anschläge sind wohl auf die Ursprungschaoten zurückzuführen, die auf diese Weise blitzschnell zuschlagen und unerkannt im Dunkel der Nacht verschwinden können. Was tut die Politik?Selbst Prominente wie der Schauspieler Thomas Heinze, der seinen Audi Q7 verlor oder der Chefredakteur der Bildzeitung, Kai Diekmann (Mercedes R-Klasse), bleiben vor dieser Art Terror nicht verschont. Doch auch diese Tatsache und die öffentlichen Aufschreie bewirken gar nichts. Politik und Polizei können und wollen vielleicht die Anschlagsserie nicht stoppen. Die AutoBild hat in ihrer Ausgabe vom 30. Januar 2009 darüber berichtet, dass Berlins Innensenator Ehrhart Körting Interviewanfragen zu diesem Thema ignoriert. Polizeipräsident Dieter Glietsch versichert zwar, alles zu tun, was sinnvoll ist, doch zu Festnahmen, die die Serie beenden, kam es in fünf Jahren nicht. Hilflos, wie die Politiker nun mal sind, raten sie Porsche-Fahrern, ihre Autos nicht mehr im Freien abzustellen. Die Polizei erweist sich damit schlicht als unfähig. Welche Motivation treibt die Chaoten und Brandstifter an? Ist es die Gentrifizierung?Sind sich die Chaoten darüber bewusst, dass sie damit letztlich nur den Autoabsatz ankurbeln, aber nichts erreichen? Ist es nur Spaß an der Zerstörung des Hab und Gut Dritter; gibt es nur den speziellen Kick? Äußert sich auf diese Weise der Frust traditionell antikapitalistischer, linker Kreise? Oder ist es tatsächlich nur die Rache für die Veränderung des Gesichts von Berlin? Denn die Gegner der Gentrifizierung, der gezielten Aufwertung von Stadtvierteln, nehmen zahlenmässig zu. Was Investoren aufwerten, wollen die sich meist aus linken Radikalen zusammensetzenden Kreise gezielt abwerten. Ewig Gestrige, im Kopf wirre Chaoten, die sich gegen frische Farbe und die Abschaffung von Ofenheizung wehren - mit dem Ziel, Berlin im Nachkriegszeitalter der späten Vierziger Jahre zu halten. Was sagt der Medienfachmann Günter Felbert dazu, der gerade nach Berlin übergesiedelt ist?Günther Felbert wohnt im Norden des Stadtteils Moabit. Dort sind noch nicht so viele Brände zu verzeichnen. Der Fachmann für Schauspielmanagement und Product Placement: "Ich habe bei der Wohnungssuche die kritischen Bereiche ausgeklammert. Sollten die Herrschaften sich jetzt auch in Moabit an meinem Mercedes vergreifen, droht ihnen seitens der Polizei keine Gefahr. Aber ich werde wissen, was zu tun ist!" Felbert räumt damit unumwunden ein, selbst mit Gewalt zurückschlagen zu wollen, denn auf die handlungsunfähigen Behörden, die nicht imstande sind, die Brandanschläge zu beenden, verlässt er sich nicht. Felbert meint, dass sich Privatdetekteien des Themas annehmen und die gefährdeten Bereiche observieren solltenDie Autoversicherer, so Felbert darüber hinaus, müssten doch eine fette Belohnung aussetzen für die Ergreifung der Brandstifter. Felbert befürchtet zudem, dass die Versicherungsgesellschaften die aus Kulanz erfolgten Zahlungen irgendwann ganz einstellen, weil die Brandschäden ja im Grunde aus bürgerkriegsähnlichen Handlungsmotiven entstehen und nicht auf Kabelbrände und Kurzschlüsse aus dem Wagen heraus selbst zurückzuführen sind, wie es im Sinne der Teilkaskoversicherung ist. Felbert sieht aber auch ein wachsendes Maß an Unmut über "die da oben" und die Politik als Anlass für solche Auswüchse. Er erinnert daran, dass sich Politik und Menschen weiter voneinander entfernen und sieht – falls die Finanzkrise nicht in den Griff zu bekommen ist – in Berlin mehr als nur Autos in Flammen aufgehen wird. Selbst einen Bürgerkrieg schließt er nicht aus. Und die Website Brennende-Autos.de wird weitere Brände dokumentieren.
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