Der Mauerpark – Eine grüne Oase in Berlin

Flohmarkt und Naherholungsgebiet oder ein Ort für Bauspekulanten?

22.11.2009 Sven Fauth

Der Berliner Mauerpark ist 20 Jahre nach dem Fall der Mauer noch immer nicht fertiggestellt und durch geplante bauliche Veränderungen in seiner jetzigen Form gefährdet.

Der Mauerpark befindet sich in Berlin zwischen den Bezirken Wedding und Prenzlauer Berg. Dort wo sich nun Berliner im Sommer sonnen oder im kleinen Amphitheater ein Karaoke Konzert abhalten, Hunde hinter Frisbeescheiben herjagen oder sich Touristen nach dem Verlauf der Mauer erkundigen, befand sich vor nunmehr mehr als 20 Jahren ein 50 Meter breiter Todesstreifen – eingerahmt von der Mauer.

Die Anlage wird in zunehmendem Maße von Bewohnern aus dem Wedding und Prenzlauer Berg aber auch von Berlinern aus anderen Bezirken sowie Touristen aufgesucht, um zu grillen und sich am Grün zu erfreuen. Die zunehmende Belastung ist an den braunen Stellen auf der Wiese und an den Hängen erkennbar. Freizeitkicker, Hunde, Basketballer, Jongleure, Freizeitmusiker und die Menschenmassen im allgemeinen hinterlassen ihre Spuren.

Die Lage des Mauerparks – Bösebrücke und Bernauer Straße

Im Norden befindet sich die geschichtsträchtige „Bösebrücke“ auf der sich in der Nacht vom 9.11.1989 auf den 10.11.1989 die erste Grenzöffnung ereignete. Die südliche Grenze stellt die nicht minder geschichtsträchtige Bernauer Straße dar. Aber mit der Beschreibung der Dimensionen des Mauerparks beginnt auch bereits die Tragödie: War einst geplant, die Grünanlage bis auf zehn Hektar auszubauen, stockt seit 15 Jahren der weitere Ausbau. Der nördliche Bereich, der 2005 dem ursprünglichen Parkgelände weitere zwei Hektar hinzufügte, war in der ursprünglichen Planung überhaupt nicht enthalten. Dort befinden sich Spielplätze, Klettertürme und eine Jugendfarm. Mit dem Rest der Anlage ist dieser Bereich nun auch erst seit kurzer Zeit mehr schlecht als Recht verbunden.

Die Mauer - Grenze zwischen Ost und West

An der östlichen Grenze zur Schwedter Straße hin befindet sich sogar noch ein Teil der Mauer, was mittlerweile in Berlin eine Rarität darstellt, da in zunehmendem Maße die Restmauer neuen Bauvorhaben Platz machen muss. Der Mauerpark ist zwar eine grüne Oase inmitten des betonierten Graus, allerdings auch sehr oft Ort für Konflikte, nicht nur in der Nacht vom 30.April zum 1.Mai sondern auch sehr aktuell bedingt durch die Pläne der Vivico GmbH.

Niemand hat die Absicht, einen Wohngürtel zu errichten

Die Vivico GmbH versucht im Auftrag der Deutschen Bahn, der das Gelände gehört, die Fläche möglichst gewinnbringend zu vermarkten. Der derzeitige Planungsstand sieht für das Areal auf der Weddinger Seite eine Bebauung von sechs- bis siebengeschossigen Wohnhäusern vor, die 30 Meter weit in die Fläche hineinragen werden, die ursprünglich für den Park vorgesehen war. Dieser sollte auf eben jenem Grenzstreifen, der Ost und West fast 30 Jahre lang trennte, durch ein grünes Band die Bewohner wieder einander näher bringen. Nun besteht das Risiko, dass durch eine parknahe Bebauung mit Luxusappartements dem fröhlichen und auch oft bis spät in die Nacht recht lautem Treiben ein Ende bereitet werden wird.

Ursprünge und Verpflichtungen

Die Allianz-Umweltstiftung stellte einen Betrag von 4,5 Millionen DM (etwa 2,3 Millionen Euro) zur Verfügung, allerdings an die Bedingung geknüpft, dass der Mauerpark bis zum Jahre 2010 auf zehn Hektar ausgebaut werden würde. Falls dies nicht erfolgen sollte, muss das Land Berlin diese Gelder wieder zurückzahlen. Aufgrund der baulichen Gegebenheiten kommen für eine Erweiterung des Parks nur jene sechs Hektar in Frage, welche der Vivico GmbH gehören. Ein Aufkauf dieser Fläche kommt aber derzeit aufgrund der chronisch angespannten Haushaltslage nicht in Frage. Das Land Berlin wandelte deshalb den im Bezirk Prenzlauer Berg gelegenen Teil eines ehemaligen Güterbahnhofes in Teile der Anlage um und erreichte damit eine Parkgröße von etwa 7,1 Hektar.

Der Flohmarkt am Mauerpark und der Mauersegler

Der Abschluss des ersten Bauabschnittes erfolgte 1994, allerdings wurde der Weddinger Teil damals nicht in den Mauerpark integriert. Eben jenes Gelände gehört der Immobiliengesellschaft Vivico und wird seitdem als Baustofflager und für den über die Bezirksgrenzen bekannten und beliebten Flohmarkt am Mauerpark genutzt, welcher jeden Sonntag Menschenmassen anzieht und sich sogar im Reiseführer Lonely Pla­net wiederfindet. Auch nette kleine Cafes wie der "Mauersegler" werden gerne besucht.

Kompromiss oder Mauerpark?

Der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung in Mitte, Ephraim Gothe, verantwortlich für die weitere Planung, erfährt seit längerem Druck durch die Bevölkerung und insbesondere durch die Bürgerinitiative „Freunde des Mauerparks e.V.“.

Der derzeitige Kompromiss zwischen Berlin und Vivco sieht vor, dem Land Berlin eine zwei Hektar große Fläche kostenfrei zu überlassen, verknüpft mir der Bedingung, dass die Vivico GmbH auf den restlichen vier Hektar Baurecht erhalte. Da eine Wohnbebauung gemäß dem derzeit gültigen Flächennutzungsplan nicht vorgesehen ist, sollte dieser bereits im Jahre 2004 zugunsten von Vivico geändert werden. Im Flächennutzungsplan von 1994 ist das gesamte Areal als Park ausgewiesen. Dies wäre auch für die weitere Annäherung der beiden Bezirke Wedding und Prenzlauer Berg die sinnvollere Variante. Die Alternative wäre eine neue Mauer, diesmal vom Westen gebaut.

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